Persönlich · Entwurf · Stand September 2026

Warum eine Genossenschaft?

Neben der MB Learnandearn.me baue ich eine Genossenschaft auf. Hier schreibe ich auf, warum – und warum es beide nebeneinander gibt.

Direkt zur Frage: Warum gibt es die MB daneben? ↓

⚠️ Bitte so lesen

  • Das ist eine persönliche Begründung – kein Angebot, keine Anlageberatung und keine Aufforderung, Anteile zu zeichnen.
  • Die LearnAndEarn eG ist noch nicht gegründet. Satzung und Verträge sind Entwürfe.
  • Was ich über die Zukunft schreibe, sind Überzeugungen, keine Zusagen.

Ein Lebenswerk, das niemand übernehmen will

Ich bin selbst ein gutes Beispiel. Niemand aus meiner Familie möchte in meine Fußstapfen treten. Alle haben eigene Lebenspläne, sind intelligent und fast alle gut situiert.

So geht es vielen Inhabern: Sie haben einen Betrieb aufgebaut, und am Ende fehlt jemand, der ihn weiterführt.

Ein Ziel von mir ist es, neben der MB Learnandearn.me ein Unternehmen aufzubauen, das sich diesem Problem widmet: der Unternehmensnachfolge.

Die Gefahr ist nicht die Maschine

Ich denke, dass die kommende künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft „bedroht“. Das ist kein Problem der künstlichen Intelligenz – ich bin überzeugt, dass sie uns immer freundlich gesinnt sein wird.

Es ist ein gesellschaftliches Problem: Wir alle werden von Angst beherrscht, und Besitz soll unser Leben absichern.

Wenn Maschinen mehr und mehr Arbeit übernehmen, entscheidet die Frage, wem die Betriebe gehören, auch darüber, wer sich sicher fühlen kann.

Betriebe ohne Nachfolger könnten Arbeiter-Genossenschaften werden

Ein Betrieb, der keinen Nachfolger findet, könnte eine Genossenschaft der Menschen werden, die in ihm arbeiten – eine Arbeiter-Genossenschaft.

Dann bräuchte es nicht den einen Käufer, der alles bezahlt; viele könnten gemeinsam tragen. Und nach dem Grundsatz der Genossenschaften hat jedes Mitglied eine Stimme, gleich wie viele Anteile es hält.

Erst den Wert feststellen, dann entscheiden

Arbeitnehmer-Genossenschaften haben meist nicht das Kapital, einen Betrieb auf einen Schlag zu kaufen. Das ist kein Grund, es zu lassen – aber ein Grund, die Reihenfolge einzuhalten.

Zuerst wird der Wert des Betriebs festgestellt – nicht durch ein Gutachten allein, sondern durch einen oder mehrere Verkaufsversuche am Markt. Erst wenn der Eigentümer weiß, was sein Betrieb einem Käufer wert ist, entscheidet er, welchen Weg er geht: verkaufen, an die Belegschaft übergeben oder beides verbinden.

Dabei hilft eine Übergabe-Genossenschaft: Sie bereitet den Betrieb vor, begleitet die Verkaufsversuche, kennt die Modelle und steht auf der Seite des Betriebs – nicht auf der Seite eines Käufers.

Eine Rente aus dem Betrieb – bis zum Tod

Verkauf oder Übergabe sollen dem bisherigen Eigentümer noch Jahre nach seinem Ausscheiden Rendite bringen – eine Rente aus dem Betrieb, den er aufgebaut hat. Erst mit dem Tod endet die Fortführung.

Dafür gibt es verschiedene Modelle. Der Eigentümer wählt, und er kann sie verbinden:

Größer denken: eine Genossenschaft je Region und Branche

Man kann schon jetzt an größere Genossenschaften denken, die je Region und Branche mehrere Betriebe nach und nach integrieren – etwa die Heizungs- und Sanitärbetriebe eines Landkreises. Sie hätten das Kapital, das ein einzelner Betrieb nicht hat, könnten Verwaltung, Einkauf und Ausbildung teilen und jedem Betrieb trotzdem seinen Namen und seine Kunden lassen.

Dass so etwas trägt, zeigt Mondragón im Baskenland: aus einem Betrieb wurde ein Verbund von Genossenschaften mit Zehntausenden Beschäftigten.

Quelle: Mondragon Corporation

Rendite statt Spekulation

Statt Aktien und Aktiengesellschaften sollten viele Betriebe Genossenschaften werden. Ein Geschäftsanteil wird nicht an der Börse gehandelt. Er wird nicht mehr wert, weil andere darauf wetten, dass er mehr wert wird.

Was zählt, ist, was der Betrieb erwirtschaftet und wie die Mitglieder den Überschuss gemeinsam verwenden. Dann ist die Rendite wichtig und nicht die Spekulation.

Wer etwas verändern will, muss vorangehen

Wenn ich selbst voranschreite, kann ich glaubhaft sein. Die LearnAndEarn eG ist mein erster Schritt: eine Genossenschaft, in der Kandidaten und Agenturen gleichberechtigt Mitglied sind.

So sähe die Genossenschaft für Kandidaten aus →

Warum gibt es die MB Learnandearn.me daneben?

Weil ich viel Zeit und Geld investiert habe – und noch nicht übergebe.

Die MB Learnandearn.me ist eine kleine Gesellschaft nach litauischem Recht mit Sitz in Vilnius. Sie betreibt die Plattform: die kostenlose Lern-App, die Arbeitgeber-Datenbank, den Kandidatenmarktplatz und die Software für den Bewerbungsversand.

Die Genossenschaft soll die Arbeitgeber-Datenbank und die Software für den Bewerbungsversand über einen Lizenzvertrag nutzen; die kostenlose Lern-App bleibt bei der MB. Die MB als Firma wird nicht Mitglied, die Menschen dahinter schon: Ich gründe die Genossenschaft – sonst entsteht sie nie –, und ich und gegebenenfalls weitere Teilhaber der MB können Anteile zeichnen wie alle anderen, mit einer Stimme wie jedes Mitglied. Was die MB für die Plattform bekommt, steht offen auf der Kandidatenseite: einen Anteil am Umsatz und ein festes Entgelt im Monat.

Der Satzungsentwurf sieht vor: Den ersten Lizenzvertrag schließen die Gründer bei der Gründung, für fünf Jahre; Entgelt und Laufzeit stehen fest. Danach entscheidet die Generalversammlung neu: Sie kann den Anbieter wechseln und nimmt ihre Daten mit; legt sie ein anderes Angebot vor, darf die MB einmal nachbessern. Bei diesem einen Beschluss stimmt nicht mit, wer an der MB beteiligt ist; bei allen anderen hat er eine Stimme wie jedes Mitglied.

Wer nicht Mitglied werden möchte, soll dieselben Leistungen zu denselben Preisen direkt bei der MB bekommen können – ohne Eintrittsgeld und Geschäftsanteil, aber auch ohne Stimme und ohne Ausschüttung.

Beide Wege nebeneinander rechnen →

Thomas Seewald